Die englische Sprache wird dem westgermanischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie zugeordnet. Nach sprachgeschichtlicher Systematik lässt sich das Englische, wenn auch nicht ganz akkurat, in drei Entwicklungsperioden unterteilen: Altenglisch (450 – 1100 n. Chr.), Mittelenglisch (1100 bis ca. 1500 n. Chr.) und Modernes Englisch bzw. Neuenglisch (ab 1500 n. Chr.).
Zu beachten ist dabei, dass das Englische, wie viele Sprachen auch, im Laufe der Jahrhunderte durch viele andere Sprachen beeinflusst worden ist.

Altenglisch

Die germanischen Siedler sprachen einen Dialekt, der als Angelsächsisch bekannt ist und zusammenfassend als Altenglisch bezeichnet wird. Diese Sprache verdrängte zunehmend das Latein der ehemaligen römischen Herrscher wie auch die einheimischen, indigenen britisch-keltischen Mundarten, welche in vielen Gegenden von Britannien, später Königreich von England, gesprochen wurden. Während viele Ortsnamen auf diese frühe Vermischung des Keltischen mit dem Germanischen hindeuten, hat sich die keltische Sprache in einigen Regionen von Cornwall, Wales und Schottland bis zum heutigen Tage gehalten. Durch lokale Dialekte eingefärbte Abwandlungen haben das Altenglische immer wieder beeinflusst. Reste davon sind sogar noch im modernen Englisch nachweisbar. Die wichtigsten Dialekte des Altenglischen waren Westsächsisch, Nordhumbrisch, Kentisch und Merzisch (Südhumbrisch).

Das Futhorc war eine Runenschrift, mit der altenglische Texte niedergeschrieben wurden. Es wurde jedoch rasch durch das lateinische Alphabet ersetzt, welches im 9. Jahrhundert von irischen Missionaren eingeführt wurde. Das frühe Westsächsisch unter Alfred dem Großen und das spätere Westsächsisch waren die wichtigsten Sprachen in der damaligen Literatur. Das Gedicht Beowulf, von einem unbekannten Autor geschaffen, ist das berühmteste noch erhaltene Werk aus der Zeit des Altenglischen. Durch die zunehmende Christianisierung ab dem Jahr 600 wurde das Altenglische um etwa 400 lateinische Lehnwörter erweitert. Einige zu diesem Zeitpunkt eingeführte Wörter sind zum Beispiel Vorläufer der heutigen Begriffe für Papier, Schule und Priester, und es wurde auch eine Reihe von Wörtern aus dem Griechischen übernommen. Die nördlichen und östlichen Teile von England standen unter starkem altnordischen Einfluss durch die Siedler und das skandinavische Rechtssystem.

Heute empfinden viele englische Muttersprachler das Altenglische als völlig unverständlich, ungeachtet der Tatsache, dass naturgemäß die meisten Begriffe des Modernen Englisch (Neuenglisch) ihre Wurzeln im Altenglischen haben. Im Vergleich zum Neuenglisch ist die altenglische Grammatik jedoch von starken Beugungsformen geprägt, ganz ähnlich dem Germanischen.

Mittelenglisch

Das Mittelenglisch entwickelte sich in der Zeit der normannischen Eroberung Englands im Zeitraum von 1066 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Diese auch als Anglonormannisch bezeichnete Entwicklungsstufe des Englischen wurde über mehrere Jahrhunderte nach der Eroberung Englands vor allem von hochrangigen Beamten sowie von den normannischen Königen gesprochen. Es war auch Amtssprache auf den britischen Inseln. Angehörige des niederen Adels und Kaufleute waren hingegen zweisprachig aufgewachsen und verständigten sich auf Englisch und Anglonormannisch. Die englische Sprache galt als Sprache der einfachen Leute. Das Anglonormannische und Anglofranzösische hatten den größten Einfluss auf die mittelenglische Sprache. Französisch und Anglonormannisch wurden von Regierung und Gerichtsbarkeit bis in das 14. Jahrhundert verwendet. Mit dem Niedergang der normannischen Franzosen galt Französisch nunmehr als eine hoch angesehene Sprache.

Zu dieser Zeit sind mehr als 10.000 französische Wörter in das Mittelenglische übernommen worden, und die meisten von Ihnen hatten mehr oder weniger mit Essen, Militär, Mode, Recht, Kirche und Regierung zu tun. Altnordisch hatte ebenso großen Einfluss auf das Mittelenglische, wie die britonisch-keltischen Dialekte, die von den Einheimischen gesprochen wurden. Einige Gelehrte vertraten die These, dass das Mittelenglisch eine Kreolsprache sei, die durch den Mix zwischen Altenglisch, Anglonormannisch oder Altnordisch entstanden sei.

Die Wiederkehr der englischen Literatur im 13. Jahrhundert kennzeichnet Veränderungen des politischen Klimas sowie einen Rückzug des Anglonormannischen. Damit gewann die englische Sprache an Bedeutung. So wurde im Jahr 1258 die Rechtsordnung für Oxford veröffentlicht, das erste Regierungsdokument in englischer Sprache seit der normannischen Eroberung Englands. König Edward III richtete seine Ansprache zunächst in englischer Sprache an das Parlament. Während offizielle Aufzeichnungen weiterhin in lateinischer Sprache stattfanden, wurde Englisch im Jahr 1362 zur Pflichtsprache für Schriftsätze in Gerichtsverfahren. Erste amtliche Dokumente in der Sprache Englisch datieren zurück auf das 15. Jahrhundert. Die ‘Canterbury Tales’ von Geoffrey Chaucer gelten als das berühmteste literarische Werk der mittelenglischen Periode.

Zahlreiche Veränderungen in Aussprache, Schreibung und Grammatik haben die Sprache Englisch in dieser Epoche beeinflusst. Stark flektierte Wortendungen sind teilweise verschwunden, einige Möglichkeiten der Unterscheidung gingen dabei verloren. Viele Adjektive und Substantive endeten nun einfach auf „-e“. Die Pluralendung „-en“ wich dem „-s“ und das grammatische Geschlecht wurde größtenteils abgeschafft.

Neuenglisch

Die Anfänge dessen, was wir heute als Modernes Englisch oder Neuenglisch bezeichnen, waren von vielen Veränderungen geprägt, vor allem die Aussprache betreffend. Konventionen zur Rechtschreibung blieben hingegen zum größten Teil erhalten. Die Geschichte des Neuenglisch beginnt mit der großen Lautverschiebung, die sich im Laufe des frühen 15. Jahrhunderts durchsetzte. Als vereinheitlichender Faktor wirkte der Buchdruck. Die Verbreitung der im Raum London gesprochenen Standardsprache in Verwaltungs- und Regierungskreisen spielte eine große Rolle im Wandel der englischen Sprache. Dabei entstanden auch selbstbewusste Begriffe von Dialekt und Akzent. Deutlich erkennbar wurde die Struktur des modernen Englisch in der Mitte des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, also in der Zeit von William Shakespeare. Das erste englische Wörterbuch, bekannt als ‘Table Alphabeticall ‘ wurde im Jahr 1604 veröffentlicht. Zunehmende Alphabetisierung und intensivere Reisetätigkeit bestimmter gesellschaftlicher Gruppen führten zur Übernahme vieler Fremd- und Lehnwörter aus der griechischen und lateinischen Sprache der Renaissancezeit in das moderne Englisch. Die hohe Flexibilität der englischen Schreibweise und der Eingang zahlreicher Wörter aus Dutzenden von Fremdsprachen hatten allerdings auch bald zu Unsicherheiten bei der Aussprache geführt.
Und so kam im Jahr 1755 das erste offizielle Wörterbuch zur englischen Sprache heraus. Es sollte helfen, Gebrauch, Aussprache und korrekte Schreibung von Begriffen des Englischen zu standardisieren. Auch Werke von Lowth, Murray und Priestly, um nur einige zu nennen, bildeten in dieser Zeit eine Referenz für den Gebrauch des Neuenglischen. Frühes Neuenglisch (Frühneuenglisch) und Neuenglisch unterscheiden sich auch im Wortschatz. Das spätere Neuenglisch verfügt ganz allgemein über einen reichhaltigeren Wortschatz, der durch Entwicklungen aus Technik und Industrieller Revolution beeinflusst war. Diese Fortschritte waren es, die eine differenziertere Ausdrucksweise und internationalere Ausrichtung der englischen Sprache gefördert haben. Das geht natürlich auf die Kolonialzeit des Britischen Empire zurück, welches auf dem Höhepunkt seiner Macht in mehr als einem Viertel der Welt vertreten war.

Heute existieren vor allem zwei Spielarten des modernen Englisch: Amerikanisches Englisch (AE) und Britisches Englisch (BE). Es wird geschätzt, dass weltweit mehr als eine Milliarde Menschen Englisch sprechen.