Sprache und Sprechen sind für uns meist keine Themen, über die wir uns im Alltag viele Gedanken machen. Wir kommunizieren mit unseren Mitmenschen, lachen über Wortwitze und grübeln über korrekte Schreibweisen. Einige Wörter haben doppelte Bedeutungen, z. B. die Bank, der Brand oder die Linse. Es gibt es viele Wörter, die das gleiche ausdrücken, z. B. diese Adjektive: lecker, schmackhaft, köstlich.Jährlich wird das Jugendwort des Jahres gewählt, der Duden wird kontinuierlich erweitert, Anglizismen ziehen in unseren Wortschatz ein– Sprache entwickelt sich, Sprache verändert sich, Sprache ist beständig. Für uns jedenfalls, denn dem ist nicht überall so. Derzeit existieren noch geschätzt 7.000 verschiedene Sprachen, nach Schätzungen der UNESCO bleibt bis zum Ende des 21. Jahrhunderts davon höchstens die Hälfte übrig.

Sprache wird von Generation zu Generation weitergegeben, die Sprache, mit der wir groß werden, ist unsere Muttersprache. Wenn nun immer weniger Menschen mit einer Sprache aufwachsen, läuft diese Gefahr, auszusterben. Aktuell gibt es auf der Welt über 3000 bedrohte Sprachen – das heißt, es gibt immer weniger Menschen, die diese Sprachen als Muttersprache erlernen. Man unterscheidet dabei in verschiedenen Graden, zwischen ‘potentiell gefährdet’ und ‘moribund’. In Deutschland wachsen immer weniger Kinder Bayrisch-sprechend oder Westfriesisch-sprechend auf; das einst gesprochene Nehrungskurisch, welches bis 1945 auf der Kurischen Nehrung in Ostpreußen gesprochen wurde, ist komplett ausgestorben. Über die Grenzen Deutschlands hinaus gibt es viele weitere Sprachen, die immer seltener erlernt werden – besonders die indigenen Sprachen.

Wie kann man das Aussterben von Sprachen verhindern?

Sprache verbindet – Sprache isoliert. Wie so oft, heißt es auch hier: unsere Kinder sind die Zukunft und aufklärende Bildung hilft. Es gilt, die vom Aussterben bedrohte Sprache zu erhalten und Kindern den Lernprozess modern und spielerisch zu vereinfachen. In diesem Zuge lohnt es sich, Schulprogramme anzupassen und Zweitsprachen erst in späteren Jahren zum Curriculum hinzuzunehmen. Erste Versuche in Nordkanada, bei denen die Kinder in den Dörfern der Dene-Indianer bis zum 3. Schuljahr in ihrer Muttersprache unterrichtet werden bevor sie Englisch lernen, stellen sich als erfolgreich heraus. Die Noten verbessern sich, der Erhalt der Sprache ist erstmal einmal gefestigt. Ein weiterer Faktor, um dem Verlust vorzubeugen, ist der alltägliche Kontakt in Lebensnähe – in Filmen, in Büchern, und im Fernsehen.